22 Jan 2021

Die Mainzer Zitadelle digital - Zwischen Denkmal- und Naturschutz

Luftbild der Mainzer Zitadelle Julia Brandt,

Auf dem internationalen Symposium „Sites at the Intersection of Natural and Cultural Heritage“ kurz SXNCH 2020 referierte Julia Brandt in der Gruppe „Cultural Landscapes“ die Inhalte ihrer Masterarbeit. Darin widmete sie sich einer exemplarischen Untersuchung der Mainzer Zitadelle, erörtert Aspekte der Vereinbarkeit von Denkmal- und Naturschutz und beschreibt einen Lösungsweg für den in Mainz bis 2016 vergleichsweise stark ausgeprägten Konflikt zwischen den beiden Disziplinen. 

Unter Anwendung von terrestrischem Laserscanning konnte der Einfluss von Baumwurzeln auf die historischen Mauern visualisiert werden. Die Autorin konnte außerdem anhand von Gesteinsproben der Zitadelle mit Flechten- und Algenbewuchs darlegen, dass das Mauerwerk durch den Bewuchs geschützt und Witterungseinflüsse auf handwerkliche Bearbeitungsspuren reduziert werden. Die nun seit 2016 laufenden Sanierungsmaßnahmen auf der Zitadelle werden daher in Absprache mit den zuständigen Behörden des Denkmal- und Naturschutzes nach Möglichkeit naturverträglich und zum Wohle des Denkmals durchgeführt.

Die Dissertation von Julia Brandt mit dem Titel: „Denkmal versus Natur? Strategien zum Erhalt der Zitadelle und Festung Mainz im Anwendungsfeld digitaler Dokumentation unter Berücksichtigung des Denkmal- und Naturschutzes.“ verfolgt - aufbauend auf der Masterarbeit - drei Ziele:

  • Die heute noch erhaltene, kulturhistorische Bausubstanz der Festung Mainz wird mit zeitgemäßer Methodik dokumentiert und kartiert.
  • Kombiniert mit einer umfangreichen, europaweiten Archivrecherche nimmt Julia Brandt eine kunsthistorisch orientierte Aufarbeitung der Forschungslücke zwischen der zuletzt erschienenen wissenschaftlichen Arbeit von Neumann in den 1980er Jahren und dem aktuellen Baubestand vor.
  • Die Arbeit will einen Beitrag zur besseren Wahrnehmbarkeit der Festung der Stadt Mainz leisten. 

Die interdisziplinär arbeitende Kunsthistorikerin prüft den Einsatz digitaler Werkzeuge und Methoden zur 3D-Erfassung bestehender historischer Bausubstanz. Anhand der mit einem terrestrischen Laserscanner erfassten Daten der Festungsanlage untersucht sie unter anderem, wie die digitale Punktwolke sowohl in der Wissenschaft als auch im konkreten Anwendungsfeld der Behörden und Büros als Bildmedium zur Dokumentation und Visualisierung dienen kann.

Bei der Verwendung der erzeugten Daten und vor allem der Gewährleistung einer wissenschaftlichen Anwendbarkeit und Zitierbarkeit spielen der Datenlebenszyklus und die Analyse der theoretischen Prozesskette eine besondere Rolle: Beide definieren, welche Möglichkeiten die digitale Anwendung eröffnen, welche Einsatzgebiete in der Denkmalpflege und Bauforschung dadurch entstehen und welches Wissen der Anwender braucht, um das digitale Objekt kritisch betrachten zu können. Der besondere Fokus liegt auf den Möglichkeiten der digitalen Bauwerksuntersuchung, etwa der Verformungsanalyse, Befund- und Schadenskartierung. Gleichzeitig kommt dem Schutz der seit 2019 als Denkmal anerkannten Anlage eine besondere Brisanz zu, indem die Aufarbeitung der digital erfassten Daten in einem Geoinformationssystem (GIS) erfolgt und hierdurch der Einsatz in der Denkmalpflege und Bauforschung unterstützt wird.