Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Digitale Edition der Keilschrifttexte aus Haft Tappeh

Das Projekt Digitale Edition der Keilschrifttexte aus Haft Tappeh widmet sich der Transliteration und digitalen Bereitstellung von mehr als 600 Keilschrifttexten aus Haft Tappeh (Iran). Ziel des Projektes ist die Erarbeitung und Weiterentwicklung eines digitalen Arbeitsablaufs unter BerĂĽcksichtigung vorhandener Werkzeuge, internationaler Standards und computerlinguistischer Auswerteverfahren.
Motivation: 

Haft Tappeh (das antike Kabnak) liegt im Südwesten Irans in der Provinz Khuzestan, etwa 15 km südöstlich der alten Stadt Susa. Die geografische Lage hat Haft Tappeh zu einem wichtigen Ort der bronzezeitlichen Geschichte und Kultur gemacht. Bis heute wurden in großflächigen Ausgrabungen neben architektonischen Resten eines Palastes mehr als 1400 Textfragmente von Keilschrifttafeln in babylonischer Sprache freigelegt. Die meisten von ihnen sind Verwaltungsurkunden, deren abschließende sprachwissenschaftliche Edition aussteht.

In einer ersten Projektphase dieses von der DFG geförderten Projekts sollen die von Behzad Mofidi-Nasrabadi (JGU) zwischen 600 und 650 gefundenen Texte digital ediert und maschinenlesbar aufbereitet werden. Die Bearbeitung mit zeitgemäßen Verfahren und die offene Bereitstellung der Ergebnisse soll über den engeren Kreis der Altorientalstik hinaus die Untersuchung von Paläographie, Lexik, Syntax, Tafelformaten, Textkategorien, bürokratischem Protokoll und modus operandi des wichtigen Textcorpus ermöglichen.

Dafür entwickelt das i3mainz eine digitale Verarbeitungspipeline für Keilschrifttafeln, die bei den vorhandenen 3D-Daten der Tafeln ansetzt und über die Transliteration und die computerlinguistische sowie semantische Annotation die Inhalte digital aufbereitet. Hierbei wird der Fokus nicht auf der Erstellung eines neuen Portals für die Bereitstellung von Keilschriftdaten gelegt, sondern vielmehr auf die Produktion von Daten, die in andere bereits bestehende oder im Aufbau befindliche Repositorien integriert werden können. Die entwickelten Werkzeuge werden in einem Git-Repository zur Verfügung gestellt. Dies erleichtert es, die Abläufe in anderen Projekten zu replizieren.

Activities: 

Nachdem im Jahr 2019 in einem Kickoff Meeting der initiale Workflow der Edition der Keilschrifttafeln mit Gitlab und Seafile Cloudspeicher festgelegt wurde, lag ein Schwerpunkt der Jahres 2020 auf der Erprobung des Workflows und die Aufbereitung erster Daten der digitalen Edition.

Im Frühjahr 2020 schloss Ali Zalaghi die Konsolidierung und die digitale Katalogisierung der bereits im Vorfeld für das Projekt erstellten 3D Scans und Photographien ab. Tim Brandes und Eva Huber fertigten Transliterationen der ersten Keilschrifttafeltexte an. Damit besteht eine Datengrundlage, aus der das finale Datenmodell des Haft Tappeh Projektes abgeleitet werden kann. Dieses wurde parallel von Timo Homburg entwickelt, als Ontologie formuliert und umfasst die Bereitstellung der Transliterationen, Bilder und 3D Scans über einen Linked Data Graphen mit SPARQL Endpoint und die Verlinkung von weiteren thematisch verbundenen Ressourcen über das Internet. Ebenfalls in Entwicklung befindet sich die auf Git basierende Webplattform des Projekts, die zukünftig die digitale Unterstützung bei der Edition der Keilschrifttexte leisten, die Bereitstellung der Daten in interoperablen Formaten ermöglichen und ihre Überführung in entsprechende Archivdatenbanken vereinfachen soll.

Eva Huber, Tim Brandes und Timo Homburg haben erfolgreich einen Antrag auf Förderung eines Workshops für Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Computerlinguistik, Digital Humanities und der Keilschriftwissenschaften im Rahmen des von BMBF und der HRK ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs “Kleine Fächer: sichtbar innovativ!” eingereicht. Ziel des Workshop "Von analog zu digital: Konzeptionen der Keilschriftforschung im 21. Jahrhundert am Beispiel administrativer Urkunden", der im Frühjahr 2021 stattfinden soll, ist die Vernetzung dieser Forschungscommunities, um digitale Standards über die Grenzen der Fachbereiche hinaus zu entwickeln. Das entspricht auch der Zielsetzung des Haft Tappeh Projekts, Keilschriftdaten in möglichst vielen für verschiedene Forschungscommunities relevanten Datenformaten zur Verfügung zu stellen. Viele der aktuell verfügbaren Formate bedürfen allerdings für eine Abbildung aller relevanten Informationen Erweiterungen, die im Konsens mit allen betroffenden Communities abgestimmt werden sollten. Diesen Prozess will das Haft Tappeh Projekt nicht nur durch den Nachwuchsworkshop sondern auch durch eine im Projekt vorgesehene wissenschaftliche Fachtagung anstoßen. Für die Unterstützung des Nachwuchsworkshops aber auch für die bessere Vernetzung der Keilschriftwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler untereinander, wurde eine neues Portal, die Initiative for Digital Cuneiform Studies (IDCS) ins Leben gerufen, die die Ergebnisse des Workshops begleitet, sammelt, sowie für weitere Gastbeiträge offensteht.

Mit Hubert Mara, seit Juni 2020 Geschäftsführer des mainzed an der Hochschule Mainz, haben sich zusätzliche Perspektiven im Bezug auf die Auswertung der 3D-Daten ergeben. Das von ihm entwickelte Software-Framework GigaMesh wurde mit einem Workshop im Oktober 2020 in die Arbeiten des Projekts eingeführt. Für das Haft Tappeh Projekt ergeben sich Potentiale im Bereich der automatischen Erkennung von Keilschriftzeichen, deren Annotation und Vernüpfung mit den transliterierten Texten. In einem projektübergreifenden Ansatz wurden hierzu Vorarbeiten an einem Schema für die Erfassung der technischen Metadaten von 3D Scans im Rahmen des Haft Tappeh Projektes integriert und in das Datenmodell übernommen.

Eva Huber und Tim Brandes konnten im Oktober erste Ergebnisse der Edition im "Journal Elamica" publizieren.

Im Jahr 2021 wird das Haft Tappeh Projekt den Dialog mit weiteren Expertinnen und Experten, Infrastrukturanbietenden Institutionen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Bereich der digitalen Textedition suchen, die Weiterentwicklung der Webplattform vorantreiben sowie die Publikation der Projektergebnisse vorbereiten.

Basic Information

Period:     01.09.2019 - 31.08.2022
  • – Prof. Dr. Doris Prechel, Institut fĂĽr Altertumswissenschaften Altorientalische Philologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • – Tim Brandes, Institut fĂĽr Altertumswissenschaften Altorientalische Philologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • – Eva Huber, Institut fĂĽr Altertumswissenschaften Altorientalische Philologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • – Ali Zalaghi, Institut fĂĽr Altertumswissenschaften Altorientalische Philologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • – Marc Häuser
  • – Hubert Mara
Cooperation:
  • – Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Förderkennzeichen:     Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 424957759
Titelbild:
  • Lage des Fundortes Haft Tappeh
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Nachrichten

Mit Dr. Hubert Mara als Geschäftsführer des mainzed kam auch eine Software an die Hochschule Mainz, die für die Anwendung im Haft Tappeh-Projekt wie...

Unter dem Titel "Von analog zu digital: Konzeptionen der Keilschriftforschung im 21. Jahrhundert am Beispiel administrativer Urkunden" planen Timo Homburg,...

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