Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Forum DHMainz: Kompetenz-Marktplatz für digitale Geisteswissenschaften

Der 30. Juni war Digital Humanities Tag 2014 an der Universität Mainz. Flankierend zu den Workshops, die sich vormittags den Projekten und Methoden, nachmittags der Förderung und den Technologien in den Digital Humanities widmeten, präsentierten Mainzer Institutionen auf dem Forum DHMainz ihre Kompetenzen, Projekte und Ergebnisse erfolgreicher Kooperationen. Organisiert wurde das Forum von der FH Mainz, unterstützt von der Mainzer Wissenschaftsallianz.

Mit IBR, dem Labeling System und COSCH zeigte das i3mainz, wie breit es in den Digital Humanities aufgestellt ist. Daneben waren die Universitätsbibliothek, die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Digitale Akademie), das Institut für Europäische Geschichte (IEG), das Institut für geschichtliche Landeskunde (IGL), das Musikwissenschaftliches Institut Mainz und V&R unipress zugegen und luden zu Informationsaustausch und Gesprächen rund um das Thema Informationstechnik in den Geisteswissenschaften ein.

Den Abendvortrag nutzte Prof. Dr. Fotis Jannidis vom Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte der Universität Würzburg für die Darstellung der seiner Meinung nach sehr konträren Wahrnehmung der Digital Humanities in den Geisteswissenschaften: Gehen die einen davon aus, dass das Attribut digital bald hinfällig wird, da die Humanities in Gänze digital sein werden, bemühen die anderen den Vergleich mit des Kaisers neuen Kleidern und werfen den Verfechtern der Digital Humanities vor, mit einem falschen Versprechen von den eigentlichen Zielen der Geisteswissenschaften abzulenken.

Dass zwischen diesen beiden Polen bereits eine Reihe sehr vielversprechender Ansätze existieren, stellte der Tag hinreichend unter Beweis. In der an den Vortrag anschließenden Podiumsdiskussion, an der neben dem Referenten Prof. Dr. Ulrich Breuer, Prof. Dr. Stephan Füssel und Prof. Dr. Silvia Hansen-Schirra von der JGU, Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn von der FH Mainz und Prof. Dr. Manfred Thaller von der Universität Köln teilnahmen, fanden eine Reihe weiterer, meist dem Bereich der Literaturwissenschaften entstammender Beispiele Erwähnung. Ausführlich diskutierte die Runde auch sinnvolle Wege der geisteswissenschaftlichen Ausbildung, um die Potentiale der digitalen Welt zu nutzen.

"Sowohl die Workshops als auch die Abendveranstaltung und das Forum haben den Status quo der Digital Humanities in Mainz hervorragend repräsentiert“ so das Fazit von Prof. Bruhn von der FH Mainz. „Der Digital Humanities Tag 2014 hat gezeigt, dass das Fach in seiner ganzen Breite in Mainz vertreten ist. Gleichzeitig wurden die bestehenden Defizite sichtbar: Die erst entstehende Vernetzung der Initiativen und die fehlende Verankerung in den Lehrangeboten der Hochschulen."

Die Thematik bleibt in Mainz aktuell: Vom 07. - 08. Oktober 2014 wird die nächste große Veranstaltung von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz organisiert:
Digital Humanities Academy - Digitale Geisteswissenschaften als Berufsperspektive und Karrierechance. Die zweitägige "Digital Humanities Academy" richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe und an angehende Studierende bzw. Studierende in den ersten Semestern. Die Einbeziehung digitaler Technologien, Methoden und Praktiken in die geisteswissenschaftliche Forschung erzeugt zunehmend neue Formen des wissenschaftlichen Arbeitens. Momentan werden die "Digitalen Geisteswissenschaften" (Digital Humanities) noch zu wenig als neues Berufsbild mit aussichtsreichen Karrierechancen begriffen. Dabei besteht ein hoher Bedarf an qualifizierten NachwuchswissenschaftlerInnen, der in den kommenden Jahren noch weiter steigen wird.

Digital Humanities in Mainz
Mainz verfügt über eine lebendige Szene von Forschungsgruppen an verschiedenen Wissenschaftsinstitutionen, die sich seit vielen Jahren der Transformation geisteswissenschaftlicher Methodik durch digitale Technologien widmen. Neben dem i3mainz und der Universitätsbibliothek, haben die Digitale Akademie, das IEG und das IGL auf den Wandel reagiert und in den vergangenen Jahren entsprechendes Fachwissen und Sachkompetenz aufgebaut. Erfolgreiche Kooperationen zeigen das enorme Potential sich ergänzender Kompetenzen in dem neuen Wissenschaftsfeld.

Da war es nur konsequent, dass Vertreter dieser Institutionen sich auf Initiative des i3mainz im vergangenen Jahr zu dem offenen informellen Verbund DHMainz – Netzwerk Digital Humanities in Mainz, zusammengefunden haben. Neben dem engeren Austausch und der Vertiefung projektbezogener Kooperationen liegt dem Netzwerk insbesondere die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses am Herzen. Diese Ziele entsprechen dem Anspruch der Mainzer Wissenschaftsallianz, die sich seit 2008 für eine nachhaltige, wissensbasierte Entwicklung der Landeshauptstadt einsetzt und das Netzwerk DHMainz unterstützt.

Eckdaten

Mitteilung vom 08.07.2014
Titelbild:
  • Auf dem Podium (V.l.n.r.): Prof. Dr. Stephan Füssel, Prof. Dr. Manfred Thaller, Prof. Dr. Ulrich Breuer, Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn, Dr. Frank Wittig (Moderation), Prof. Dr. Fotis Jannidis, Prof. Dr. Silvia Hansen-Schirra
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