Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Das Kultzentrum des Sonnengottes in Heliopolis (Ă„gypten)

Das i3mainz unterstützt das Heliopolis-Projekt im Kairener Stadtteil Mataryia mit dem Ziel, das Forschungsdatenmanagement der Grabung zu erarbeiten und umzusetzen. Die Ergebnisse der archäologischen Arbeiten sollen schließlich in einem GIS zusammengeführt werden, das als Nachweissystem für die archäologische Dokumentation und die dreidimensionalen Visualisierungen des Baubestands dienen wird.
Motivation: 

Als mythischer Geburtsort der ägyptischen Götter nahm Heliopolis von ca. 2400 v. Chr. (Altes Reich) bis ins 4. Jh. v. Chr. (Ptolemäische Zeit) die Rolle eines wichtigen religiösen Zentrums ein. Dieser besondere Status findet Ausdruck in den Dimensionen des Heiligtums. Bis zu 17 m mächtige und 10 m hohe Mauern umschlossen einst das 1km² große Areal. Obelisken des Tempelbezirks finden sich heute u. A. in London, New York und Rom. Durch seine Lage im Zentrum der wachsenden Millionenmetropole Kairo ist das Areal durch illegale Landnahme bedroht. Die zunehmende Bebauung an den Grenzen der 300x400 m großen Freifläche führen seit Jahren zu einem kontinuierlichen Anstieg des Grundwasserspiegels.

Der Sonnenkult war über drei Jahrtausende das zentrale Element der altägyptischen Religion, Heliopolis war sein Zentrum. Die architektonische Gestaltung und landschaftliche Einbettung von Heliopolis sind Gegenstand zahlreicher Hypothesen. Diese beruhen jedoch überwiegend auf dekontextualisierten Objekten. In der Ausgrabungskampagne im Frühjahr 2014 konnte erstmals ein Teil der Befestigung des Heiligen Platzes der Weltschöpfung freigelegt werden. Zugleich wurden mit geophysikalischen Prospektionsmethoden erfolgreich Kalksteinbauten in einer Tiefe von 2,5 m lokalisiert und durch Bohrungen bestätigt.

Ziel des Projektes ist es, Hypothesen zur architektonischen Gestaltung und landschaftlichen Einbettung dieses religiösen Referenzpunktes archäologisch zu überprüfen. Der Fokus liegt hierbei auf der Untersuchung des Tempels Nektanebos I. (4. Jh. v. Chr.). Wichtige Vorarbeiten hierzu wurden bereits durch die Lokalisierung des Lehmziegelwalls, der als Bauuntergrund für den Tempel diente, geleistet. Kleinere Sondagen im Umfeld des Obelisken Sesostris I. (Anfang 2. Jtsd. v. Chr.) sollen die Datierung der hier freigelegten steinernen Mauerzüge eines Tempels ermöglichen. Zudem soll der Zusammenhang zwischen der Ausrichtung dieses Tempels und astronomischen Phänomenen, sowie der Verlauf der großen Umfassungsmauer des 2. und 1. Jtsd. v. Chr. untersucht werden.

Seit Anfang 2016 ist das i3mainz im Rahmen der dreijährigen Förderung unter anderem für die Erarbeitung und Umsetzung eines Forschungsdatenmanagements zuständig. Die Ergebnisse der archäologischen Arbeiten sollen schließlich in einem GIS zusammengeführt werden, das als Nachweissystem für die archäologische Dokumentation und die dreidimensionalen Visualisierungen des Baubestands dienen wird. Parallel zur Aufnahme von Objektdaten in das Datenerfassungssystem iDAIfield des Deutschen Archäologischen Instituts sollen die im Projekt vorhandenen und neu erfassten raumbezogenen Grabungsdaten einheitlich aufbereitet und in einem GIS nachgewiesen werden. Geplant ist die Anwendung einfacher Geodatenmodelle für die Erfassung kategorisierter Befundgruppen (Bohrloch, Mauerumriss etc.), deren 3D-Information nicht nur in der Geometrie, sondern auch als Attribut nachgewiesen wird. Das GIS wird in diesem Zusammenhang als Nachweissystem eingesetzt, das die über die Bohrungen und Structure-from-Motion-Modellierung gewonnene 3D-Information mit den daraus abgeleiteten Visualisierungen verknüpft. Die Evidenz der 3D-Visualisierungen wird damit überprüfbar. Die Integration der Grabungsdaten in die Topographie des Gesamtbezirks und dessen Umgebung soll über die Geländereliefdaten verschiedener Herkunft (Höhenlinien in topographischen Karten) und die Verwendung von hochauflösenden Satellitenbildern (Worldview 2 – Pleiades 1A/1B) dokumentiert werden.

Activities: 

Im Fokus der ersten mainzer Projektphase stand im Frühjahr 2016 die Analyse der Grabungsabläufe vor Ort sowie, darauf aufbauend, die Formulierung einer an etablierten Standards und Richtlinien (IANUS, ADS) orientierten Data-Policy. In gemeinsamen Workshops mit dem Projektpartner aus Leipzig wurden auf das Projekt zugeschnittene Metadaten-Modelle, Werkzeuge und Verfahren sowie darauf abgestimmte Feld-Guides entwickelt. Um die Qualität der neu entstehenden Daten sicherzustellen und zugleich den Dokumentationsaufwand im Feld zu reduzieren, mussten stellenweise auch an den Methoden zur Datenerhebung im Feld Anpassungen vorgenommen werden. Structure-from-Motion fand bereits vor der Kooperation mit Mainz vereinzelt zur Dokumentation von Inschriftenblöcken Anwendung. Das Verfahren wird nun, nach Etablierung von Akquisitions- und Prozessierungsstandards sowie mehreren Workshops in Mainz und Leipzig, weiträumig von den Schnittleitern für die Planum- und Befunddokumentation eingesetzt. Diese methodische Umstellung wurde vor allem aufgrund der Zeitersparnis im Feld und der hohen Datendichte sehr begrüßt.
 

Results: 

Im Frühjahr 2016 konnten modularisierte Dokumentations- und Archivierungsprozesse an die bestehenden Arbeitsabläufe angepasst und festgelegt werden. Weiterhin optimierte das i3mainz bereits etablierte digitale Methoden und führte Structure-from-Motion als reguläres Dokumentationswerkzeug in täglichen Grabungsablauf ein. Zur darauf folgenden Kampagne im Herbst 2016 fanden diese Prozeduren und Methoden erstmalig ohne on site-Unterstützung durch das i3mainz erfolgreich Anwendung.

Basic Information

Period:     01.02.2016 - 31.12.2019
Participants:
  • – PD Dr. Dietrich Raue, Universität Leipzig
  • – Thomas Graichen, M. A.
Cooperation:
  • – Ă„gyptisches Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig
  • – Ministry of State for Antiquities of the Arab Republic of Egypt
  • – Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderkennzeichen:     223572664
, ,

Nachrichten

Seit Ende letzter Woche Kopf und Torso einer kolossalen altägyptischen Herrscherstatue mit einer Inschrift, die den Pharao...

Related Projects

Zur Publikation und Unterstützung der archäologischen Interpretation sollte 2016 eine plattformunabhängige Applikation entwickelt werden mit dessen Hilfe die unterschiedlichen 3D-D...
In der Orthopädietechnik werden Hilfsmittel immer noch überwiegend mit klassischen Guss- und Abformtechniken hergestellt. Die sich bietenden Möglichkeiten über CNC-Fräsen oder 3D-D...