Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

HiGeoMes - Die historische Geographie Obermesopotamiens im 2. Jt. v. Chr.

Das bilaterale Forschungsprojekt HiGeoMes dient der Integration von Informationen zu Orten, die in babylonischen und assyrischen Texten genannten werden, mit archäologischen Fundorten. Die Verknüpfung dokumentierter Siedlungen mit Ortsnamen aus schriftlichen Quellen soll ein besseres Verständnis politischer, sozialer und umgebungsbedingter Entwicklungen in Obermesopotamien im 2. Jt. v. Chr. ermöglichen. Gefördert wir das dreijährige Projekt von der französischen ANR und der deutschen DFG.
Motivation und Ziele: 

Die Bedeutung Obermesopotamiens für die Geschichte Vorderasiens ist maßgeblich durch seine geostrategische Situation und eine günstige Vielfalt naturräumlicher Bedingungen geprägt. Diese konkreten Bedingungen haben die Geschichte der sozio-ökonomischen Nutzung und politischen Durchdringung dieses Raumes geprägt. Die letzten Jahrzehnte haben einen enormen Zuwachs an archäologischen und epigraphischen Materialien sowie naturwissenschaftlichen Daten erbracht, die es nun erlauben, die historisch-geographische Kenntnis auf eine neue Basis zu stellen. Ziel des Projektes ist es, am Beispiel des 2. Jts. v. Chr. diese heterogenen Forschungsprimärdaten in einer integrierten Auswertung zu verbinden.

Aktivitäten: 

Um den Austausch von Datenbeständen unter den Projektpartnern zu erleichtern und anderen Wissenschaftlern einen interoperablen Zugang zu den gesammelten Daten zu ermöglichen wurde am i3mainz eine Dienste-orientierte Infrastruktur aufgebaut. Diese wurde mittels der Open Source Komponenten PostgreSQL/PostGIS und GeoServer, sowie der Bibliotheken OpenLayers und GeoExt OGC-konform implementiert.

Zur Verwaltung der in Mainz gesammelten archäologischen Fundortdaten wurde in enger Kooperation mit dem Partner an der Universität Mainz ein fachspezifisches Datenbankmodell entwickelt. Eine Auswahl dieser Daten ist über einen Web Feature Service (WFS) zugänglich. Außerdem werden ein Baselayer aus SRTM-Daten, sowie Corona Satellitenbilder und russische Karten über Schnittstellen (WMS/WMTS) bereitgestellt.

Während in Mainz die Recherche und Verwaltung der archäologischen Daten stattfindet, werden bei den anderen Projektpartnern epigraphische Quellen erschlossen und analysiert. Ein Teil von den Pariser Textdaten aus den sog. Mari-Archiven, die Beziehungen zwischen Fundorten beinhalten wurde von den Kooperationspartnern an der Université de Bourgogne semantisch modelliert. Diese können von einem am i3mainz entwickelten Webservice abgefragt werden, was die Darstellung der Ortsbeziehungen in einem in das Web GIS integrierten Visualisierungstool ermöglicht.

Ergebnisse: 

Die in Mainz akkumulierten Daten werden jetzt über OGC-konforme Dienste bereitgestellt und können dadurch sehr einfach von Kooperationspartnern und externen Wissenschaftlern genutzt werden. Das entwickelte Web GIS bindet die verschiedenen Dienste des Projektes ein und steht Wissenschaftlern zur Visualisierung und Analyse der archäologischen und epigraphischen Daten zur Verfügung. Damit ist die Grundlage für eine wissensbasierte Auswertung der geografischen Informationen über Obermesopotamien im 2. Jt. v. Chr. gelegt.

Eckdaten

Zeitraum:     01.03.2010 - 28.02.2013
Kooperation:
  • – IUT Dijon Auxerre, UniversitĂ© de Bourgogne
  • – Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • – L'Agence nationale de la recherche
  • – Institut fĂĽr Ă„gyptologie und Altorientalistik
  • – Institut fĂĽr Altorientalistik FU-Berlin
  • – Collège de France, Paris
Titelbild:
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Publikationen

Semantics – Supportive Element for the Cooperative Evaluation of Geographical and Historical Information

2013

A. Karmacharya,
T. Kohr,
F. Boochs,
K.C. Bruhn,
C. Cruz

RTF

zfv - Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement

The emergence of the Semantic Web and its underlying knowledge technologies has brought changes in data handling. Transferring expert knowledge to machines through knowledge formalization provides us the required support in managing huge datasets like the information in the World Wide Web. In the field of geospatial technology semantic technologies not only entail the capability to achieve higher degree of data integration but also infer semantics to discover new and hidden knowledge. This is of particular interest in the field of archaeology, where complex interrelations among heterogeneous datasets exist. Although researches on semantics are active areas in geospatial communities, their initial use is mainly for spatial data integration. This article tries to go one step further and imply semantics for spatial knowledge discovery through spatial built-ins within SWRL and SPARQL. The work resembles the approach of the Open Geospatial Consortium (OGC) to define standards for ­GeoSPARQL.