Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Grabdenkmäler aus Augusta Treverorum, digital vernetzt

Das BMBF-geförderte Projekt „Grabdenkmäler aus Augusta Treverorum, digital vernetzt“ knüpft thematisch an das DFG-Projekt „Römische Grabdenkmäler aus Augusta Treverorum im überregionalen Vergleich“ an, bei dem das i3mainz für die 3D-Digitalisierung der Grabdenkmäler zuständig ist. Ziel des BMBF-Projekts ist es, drei umfangreiche Materialkomplexe mit Informationen zu römischen Grabdenkmälern aus Augusta Treverorum und Neumagen zu digitalisieren und der wissenschaftlichen Community zur Verfügung zu stellen.
Motivation und Ziele: 

Bei den Recherchen zum DFG-Projekt „Römische Grabdenkmäler aus Augusta Treverorum im überregionalen Vergleich: mediale Strategien sozialer Repräsentation“ stießen die Archäologen auf zahlreiche Neufunde. Eine Aufarbeitung dieser Bestände ist zur Klärung wesentlicher Forschungsfragen essentiell. Als Voraussetzung hierfür werden drei umfangreiche Materialkomplexe erstmals systematisch digitalisiert und der Wissenschaft zugänglich gemacht.

Es handelt sich zum einen um rund 22.000 Glasplattennegative mit Aufnahmen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Dieser Bildbestand dokumentiert die Grabdenkmäler zum Zeitpunkt ihrer Auffindung und Bergung.

Ein weiterer Objektbestand umfasst mehrere Fragmente treverischer Grabdenkmäler, die sich im Raum Neumagen und Umgebung befinden.

Außerdem lagern in Archiven des Trierer Raumes historische Zeichnungen und Skizzenbücher, frühneuzeitliche Druckwerke und Ortsakten, die ca. 100 heute verlorene römische Grabmäler abbilden.

Aktivitäten: 

Die Glasplattennegative

In einer ersten Kampagne von Juli bis Oktober 2018 digitalisierten studentische Mitarbeiter ca. 20500 Glasplattennegative. Die verbliebenen Negative wurden im Februar 2019 aufgenommen. Die Studenten arbeiteten an einem eigens dafür konstruierten Diffusortisch mit daran befestigter und ausgerichteter digitaler Spiegelreflexkamera, einer Nikon D800 mit Ringblitzkonstruktion, und vorgefertigten Schablonen zum Anlegen der Negative. Die Kamera steuerten sie über die Software DigiCamControl.

Zur Sicherung der Archivnummern wurde zu jedem Negativ eine Aufnahme mit Hülle und darauf notierter Archivnummer und eine ohne Hülle angefertigt. Parallel dazu überprüften die Studenten die Namen der Bilder mit einem Excelmakro, um sicher zu stellen, dass die auf den Folien gezeigte Nummer zu den vorgesehenen Namen passt.

Im Laufe der Arbeiten stellte sich heraus, dass ca. 200 der Platten beschädigt sind. Bei manchen löst sich die Bildseite vom Glasuntergrund ab, einige der Platten sind gebrochen. Sehr alte Aufnahmen verblassen so stark, dass die Abbildung kaum noch zu erkennen ist. Ca. 1000 Abbildungen sind nicht auf Glas aufgebracht, sondern auf Fotofolien.

 

Fragmente von Grabdenkmälern

Im März 2019 führte Laura Raddatz unterstützt von zwei Studenten die 3D-Erfassung römischer Steinfragmente in Neumagen-Dhron durch. Ein Teil der Objekte stehen im Museum Neumagen-Dhron. Die Objekte wurden mit dem Streifenlichtprojektionsscanner Atos Core aufgenommen, wobei die Einzelscans über Referenzpunkte verknüpft wurden.

Weitere Objekte im Weingut Krebs wurden mit dem Handheld Scanner FARO Freestyle3DX aufgenommen. Damit lassen sich die Objekte schnell und ohne Referenzpunkte dreidimensional erfassen. Der Scanner wird dabei per Hand über das Objekt geführt, wobei die einzelnen Scans über einen ausreichenden Überlappungsbereich automatisch verknüpft werden.

Etwa 60km südwestlich von Neumagen–Dhron liegt die Ortsgemeinde Serrig, wo die Überreste eines römischen Grabmals, des sogenannten Widdertshäuschens, ebenfalls mit dem Freestyle 3DX digital erfasst wurde.

Mit diesen Arbeiten wurde die bereits im Juli 2018 an Objekten im Museum und im Weingut Georg Heim begonnene 3D-Aufnahme von Artefakten abgeschlossen. Dr. Ute Kelp von der Universität Frankfurt begleitete die Arbeiten von archäologischer Seite.

Ergebnisse: 

Nachdem nun alle Artefakte digital vorliegen, wird das Hochladen der Daten zu Arachne, der zentralen Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und der Arbeitsstelle für Digitale Archäologie (CoDArchLab) des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln, vorbereitet.

Eckdaten

Zeitraum:     01.05.2018 - 30.04.2020
  • – Prof. Dr. Anja Klöckner, Institut für Archäologische Wissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt
  • – Prof. Dr. Markus Scholz, Institut für Archäologische Wissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt
  • – Prof. Dr. Reinhard Förtsch, Deutsches Archäologisches Institut, Berlin
  • – Dr. Marcus Reuter, Rheinisches Landesmuseum Trier (RLM)
  • – Dr. Ute Kelp, Institut für Archäologische Wissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt
  • – Dr. Gabrielle Kremer, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
  • – Prof. Dr. Andrea Binsfeld, Universität Luxemburg
Kooperation:
  • – Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • – Rheinisches Landesmuseum Trier
  • – Deutsches Archäologisches Institut (DAI)
  • – Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
  • – Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
  • – Universität Luxemburg
Titelbild:
  • Yassine Tahiri scannt das Widdertshäuschen in Serrig von innen, Foto: Dr. Ute Kelp
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Nachrichten

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