Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

GoAnControl - Anwendung von Geovisual-Analytics-Methoden im Controllingprozess

Der Inhalt des Projektes GoAnControl ist die Anwendung von GeoVisualAnalytics-Methoden im Controllingprozess. Hierbei soll dem Anwender ein umfassendes Analysewerkzeug zur Verfügung gestellt werden, dass mittels intuitiver Darstellung und Bedienung eine globale wie auch detaillierte Sicht seiner Fragestellungen bietet und deren Ergebnisse transparent macht, sowie um Stärken herauszustellen und um Schwachstellen zu finden. Der räumliche Bezug spielt dabei eine maßgebliche Rolle.
Motivation und Ziele: 

Operatives und strategisches Controlling sind etablierte Begriffe der Wirtschaftswissenschaften, deren Fragestellungen im Firmenalltag oft von Controllern mit klassischer Tabellenkalkulation beantwortet werden. Dabei sind die Werkzeuge sehr speziell auf sie zugeschnitten und für andere Entscheidungsträger in Firmen oft nicht schnell visuell begreifbar. Auch räumliche Aspekte spielen derzeit noch keine große Rolle. Bedenkt man allerdings, dass ein hoher Anteil aller Informationen und Entscheidungen einen Raumbezug besitzt, dann wird sich dies, wie in anderen Bereichen bereits passiert, verändern.

Geovisual Analytics ist ein Forschungsfeld, das hierfür Methoden anbietet. Diese sollen vor allem die Entscheidungsprozesse mit räumlichen, visuellen und analytischen Komponenten erweitern. Hierfür soll dem Anwender ein umfassendes Analysewerkzeug zur Verfügung gestellt werden, dass mittels intuitiver Darstellung und Bedienung eine globale wie auch detaillierte Sicht seiner Fragestellungen bietet und deren Ergebnisse transparent macht, sowie um Stärken herauszustellen und um Schwachstellen zu finden. Ziel des Projektes war ein Prototyp, welcher die Möglichkeiten von GVA im Kontext einer Controllingsoftware aufzeigen soll.

Aktivitäten: 

Zunächst wurde eine Anforderungsanalyse durchgeführt, um die konkreten funktionalen und nicht funktionalen Anforderungen zu ermitteln und zu analysieren. Für die notwendigen graphischen Elemente sowie die kartographischen Visualisierungskonzepte wurde ein "Paperprototyp" erstellt. Anschließend wurden hierüber die funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen definiert. Anschließend wurde eine "State of the Art" -  Analyse durchgeführt. Darauf folgend wurden die funktionalen Spezifikationen und eine Implementierungsspezifikation entwickelt, welche die Basis für die Implementierung bildet.

Bevor mit der Implementierung eines ersten Prototyps begonnen werden konnte, wurde ein vollständiges Architekturmodell (Abbildung 1) entwickelt. Hiermit wurde vor allem eine möglichst hohe Unabhängigkeit der einzelnen Komponenten und eine flexible Erweiterungsmöglichkeit beachtet und erreicht. 

Durch den Ausbau des „GeoConnectors“ konnten, aus vom Nutzer vorgefilterten Daten, zur Laufzeit neue Kartenebenen geschaffen werden. Der Connector definiert dabei sowohl die Struktur der erwarteten Daten, als auch die Definition der Darstellungsinformationen, welche vom Benutzer im Client jeweils definiert werden können. Letztendlich wird mit ihm die komplette Schnittstelle zwischen den OGC-konformen Diensten des Geoservers und der zentralen Business-Logik der Anwendung sichergestellt.

Zur Bereitstellung von weiteren GVA-Visualisierungskomponenten, wie Diagramm-Layern oder einer HeatMap wurde der Geoserver um eigene Dienste und Prozesse erweitert.

Weiterhin wurde zur Bereitstellung der Kundenadressen als Koordinaten fĂĽr die weitere Verwendung in der Anwendung ein Geocoding-Dienst implementiert. DafĂĽr wurde ein offenes Framework so erweitert, dass es ĂĽber den OpenLS-Standard angesprochen werden kann und auch mehrere Daten in einem Prozess verarbeiten kann.

Abschließend wurden vom i3mainz auch einige Clientkomponenten, welche man als Portlets (JSR 286) für die Portalsoftware „Liferay“ entwickelt, erstellt bzw. verbessert.

Durch die Definition der Schnittstellen konnten diese dann mit den Komponenten der Entwickler der restlichen Projektpartner zu einen System zusammengefĂĽgt werden.

Ergebnisse: 

Ergebnis des Projektes ist ein Prototyp, welcher Möglichkeiten von Geovisual Analytics-Methoden im Controllingumfeld aufzeigt. Die Anwendung arbeitet dabei mit sogenannten „Reports“, welche jeweils eine bestimmte Sicht auf die Daten liefern (Abbildung 2).

Aus technologischer Sicht basiert der Prototyp auf einer komplexen Systemarchitektur, durch welche auch eine Unabhängigkeit der einzelnen Komponenten voneinander gewährleistet werden soll. Zudem setzt das System auf weit verbreitete Frameworks und Standards. Hierzu zählen u. A. Hibernate Spatial, welches die Java Persistence API umsetzt oder OGC-konforme Geokomponenten, wie Geoserver und GeoTools. Als Application-Server wird ein JBoss verwendet und die Client-Komponenten werden als sogenannte Portlets (JSR 286) für die Portalsoftware "Liferay" entwickelt. Die Entwicklung geschieht dabei in Java, Javascript, HTML5 und CSS. Hierdurch ist das System für Erweiterungen sehr flexibel. Auch lassen sich einzelne Komponenten in separaten Umgebungen wiederverwenden.

Die technische Realisierung wurde mit Hilfe des Prototyps erfolgreich evaluiert. Zudem wurde das System durch die Firma PCC Consulting GmbH mehreren Kunden auf Veranstaltungen präsentiert. Das Projekt konnte somit Ende August 2012 erfolgreich abgeschlossen werden.

Eckdaten

Zeitraum:     01.03.2011 - 31.08.2012
Beteiligte Personen:
Kooperation:
  • – PCC Consulting GmbH
  • – Hochschule RheinMain
  • – HA Hessen Agentur GmbH
Titelbild:
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Publikationen

Dynamische Karten mit Geoserver in einer integrierten Umgebung

2013

N. Bock,
A. Krieger,
K. Böhm

PDF / RTF

Entwicklerforum Geodäsie und Geoinformationstechnik 2012

In bisherigen Analyse- und Simulationsmethoden wurde das Potential, das der in Controllingdaten inhärente Raumbezug bietet, nicht vollständig ausgeschöpft. Aufbauend auf den Möglichkeiten, die sich durch GeoVisual Analytics bieten, wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes Konzepte und Werkzeuge geschaen und erprobt, die mittels intuitiver Darstellung und Bedienung eine globale wie auch detaillierte Sicht der Anwenderfragestellungen bieten.


Dieser Beitrag fokussiert entwicklungs- und implementierungsbezogenene Fragestellungen hinsichtlich der Anbindung bzw. Integration von Standard-Geokomponenten in eine komplexe Architektur. Besonderes Augenmerk liegt hier auf dem Zusammenspiel des Geoservers mit anwendungsbezogenen Modulen, sowie der Entwicklung interaktiver Karten.


Geovisual Analytics im Controlling

2012

K. Böhm,
N. Bock,
A. Krieger,
R. Dörner,
S. Hangel,
U. Praxl

PDF / RTF

Angewandte Geoinformatik 2012

In diesem Beitrag wird ein System vorgestellt und diskutiert, das durch Integration von Geovisual Analytics (GVA) in ein traditionelles, kommerziell vertriebenes Werkzeug für den Bereich operatives Controlling im Rahmen eines Forschungsprojekts gemeinsam mit der Herstellerfirma entwickelt wurde. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln der LOEWE – Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, Förderlinie 3: KMU-Verbundvorhaben im Rahmen von Hessen ModellProjekte. Das System ist für den praktischen Einsatz bei mittelständischen Unternehmen konzipiert. Dabei werden im Beitrag wesentliche Aspekte für die erfolgreiche Realisierung von GVA in einem realen Produkt für das Anwendungsfeld „Controlling“ beleuchtet. Der Beitrag betrachtet zunächst die funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen aus Controlling-Sicht. Anschließend werden die für das Anwendungsumfeld ausgewählten kartographischen Komponenten erläutert. Ein Fokus im Beitrag liegt auf der technologischen Realisierung der gegebenen Anforderungen. Hierzu werden das Realisierungskonzept und die entwickelte Architektur skizziert.