Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Bereitstellung der 3D-Digitalisierung und archäologischen Interpretation im Kontext eines Gruftkomplexes anhand webbasierter Werkzeuge

Im Zuge der Publikation und Analyse der 3D-Daten eines unberührten Gruftkomplexes zu Qatna ist die Bereitstellung der Daten anhand einer plattformunabhängigen Web-Applikation beschlossen worden, um den Projektteilnehmern sowie einem öffentlichen Publikum die Grabungsergebnisse zugänglich zu machen.
Motivation und Ziele: 

Im Verlauf der Grabungstätigkeiten stieß man auf eine noch unberührte Gruft, die sich unterhalb des Raumes DA befindet und daraufhin mit in die 3D-Erfassung und Dokumentation einbezogen wurde. Die Gruft besteht aus zwei separaten Kammern (Nord- u. Südkammer), die durch einen Felssteg voneinander getrennt sind und eine Fülle von Skeletten, Knochen, Gefäßen und Schmuckgegenständen beinhaltet. Dies ist der Grund, dass die Gruft einen einzigartigen Fund darstellt, der deutschlandweit große Aufmerksamkeit in der Presse hervorgerufen hat.

Die Dokumentation einzelner Freilegungszustände des Bodens und die Visualisierung des architektonischen Zusammenhangs zwischen Gruft und den umliegenden Räumen waren Ziele, die es umzusetzen galt. Zur Publikation und Unterstützung der Interpretation sollte 2016 eine plattformunabhängige Applikation entwickelt werden mit dessen Hilfe die unterschiedlichen 3D-Daten über das Internet mit verschiedenen Analysewerkzeugen zur Verfügung gestellt werden.

Aktivitäten: 

Zur Bereitstellung und Darstellung von archäologischen Erkenntnissen und Interpretationen im Gruftkontext wurde aufbauend auf den vorhandenen 3D-Daten des Urzustandes (erfasst mit Laserscanning & Photogrammetrie) eine webbasierte Applikation entwickelt, die ohne eine weitere Installation spezieller Software auskommt. Ziel war es große 3D-Daten aus Laserscanning und Photogrammetrie mit Hilfe eines Web-Servers zur Verfügung zu stellen, wobei die 3D-Daten clientseitig mittels eines in der Webseite integrierten 3D-Viewers betrachtet und analysiert werden können. Das heißt die Web-Applikation erlaubt eine interaktive Visualisierung von 3D-Modellen direkt in einer Standard Web-Seite über einen gängigen Internetbrowser wie Chrome, Firefox, Internet Explorer oder Safari ohne die Installation weiterer Plugins. Dieser Umstand erlaubt eine Plattformunabhängigkeit, wodurch die Web-Applikation unter verschiedenen Systemen wie Windows, Apple oder Android verwendet werden kann. Das erlaubt einen einfachen Zugriff aller Interessenten auf den gesamten 3D-Datensatz über das Internet ohne die großen Datensätze separat auf den Client zu speichern. Funktionen und Werkzeuge die mit dem 3D-Viewer zur Verfügung gestellt werden sind zum einen Elemente zur unterschiedlichen Darstellung der 3D-Daten und zum anderen Werkzeuge zur Unterstützung von Analysen. Die Web-Applikation beruht auf einer Open-Source Software Bibliothek für die Entwicklung interaktiver Web-Präsentationen auf Basis hochaufgelöster 3D-Modelle, wobei sich dieses Framework speziell auf Daten aus dem Feld des kulturellen Erbes orientiert (3DHOP – WebGL Technologie).

Ergebnisse: 

Elemente zur unterschiedlichen Darstellung sind im Einzelnen:

  1. Änderung der Beleuchtungsquelle
  2. Transparenz-Modus
  3. Wechsel zwischen perspektiver und orthogonaler Kameraansicht

 

Elemente zur Unterstützung von Analyse und Dokumentation sind im Einzelnen:

  1.  Streckenmessfunktion zwischen zwei Punkten im 3D
  2.  Abgreifen einer 3D-Koordinate
  3.  Erzeugung von Schnittprofilen
  4.  Ein- und Ausblenden der Grabungskarte

Des Weiteren sind zusätzlich zu den aufgelisteten Funktionalitäten, Möglichkeiten zur separierten Darstellung von archäologischen Interpretationen geschaffen worden. Dabei können separat einzelne Holzkisten an den jeweiligen Stellen eingeblendet werden, wo seitens der Archäologie durch Ablagerungen und Rückstände auf eine sargähnliche Nutzung geschlossen werden konnte. Des Weiteren kann der vermutete Originalzugang zur Gruft eingeblendet werden. Auch eine räumlich präzise Darstellung von einzigartigen Funden mit einer Verknüpfung zu entsprechend vorhandenen Sachinformationen wurde realisiert.

Eckdaten

Zeitraum:     01.01.2016 - 31.12.2016
Beteiligte Personen:
  • – Prof. Peter Pfälzner (Uni Tübingen)
Kooperation:
  • – Universität Tübingen, Altorientalisches Seminar
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