Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Petabytes, Künstliche Intelligenz und Geisteswissenschaften - Get Together mit Joscha Bach (Harvard University)

Am 21. September haben sich in Mainz Forscherinnen und Forscher aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zu einem  Get Together der Initiative Digital Humanities im RMU-Verbund eingefunden. Eingeladen hatten das Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften (mainzed) zusammen mit dem in Frankfurt und Darmstadt angesiedelten Centrum für Digitale Forschung in den Geistes-, Sozial- und Bildungswissenschaften (CEDIFOR). Ziel der Initiative ist es, die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Einrichtungen in der Region zu vereinfachen und zu vervielfältigen, um gemeinsame Schwerpunkte in der Forschung, Lehre und Vermittlung zu entwickeln.

Das Rhein-Main-Gebiet versammelt eine Fülle von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aus der Informatik sowie den Geistes- und Kulturwissenschaften, die innovative Forschungen in den Digital Humanities betreiben. Bester Beleg waren die binnen weniger Wochen eingetroffenen insgesamt 38 Anmeldungen von Postern zu den verschiedensten Forschungsthemen und -methoden für das Get Together. Gegliedert in „Projekte“, „Konzepte“ und „Tools“ wurden die Poster in einem 2,5 stündigen Posterjam vorgestellt.

Auch Forscherinnen und Forscher des i3mainz haben sich mit Postern beteiligt. So stellten Matthias Dufner, Axel Kunz und Florian Thiery die neu entwickelte Benutzeroberfläche des Labeling Systems der Fachwelt vor. Anja Cramer, Guido Heinz und Allard Mees erläuterten mit einem Poster einen Web-basierten 3D-Viewer zur Dokumentation, Visualisierung und Analyse archäologischer Objekte. Als weitere Einreichung aus dem i3mainz zeigte Stefanie Wefers ihr Digitalisierungskonzept für Steinbrüche am Beispiel der römischen Mühl- und Bausteinbrüche der Osteifel.

Vorausgegangen waren dem Posterjam Vorträge, die den Forschungsinfrastrukturen in der Region (Rechenzentren, Bibliotheken) und den Strategien von Forschungseinrichtungen in den Digital Humanities gewidmet waren. Anschaulich zeigte hierbei Dr. Leinen von der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt, welche für die Geistes- und Kulturwissenschaften ungewöhnlichen Datenmengen bei der Archivierung digitaler Medien heutzutage bereits von der Nationalbibliothek bewältigt werden müssen. Allerdings, so zeigten er und seine Kollegen Prof. Dr. Brinckmann vom Zentrum für Datenverarbeitung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Dr. Thomas Risse von der Universitätsbibliothek der Goethe Universität, Frankfurt, Universitäten, sei dies im Vergleich zu Datenmengen, wie sie etwa im CERN anfallen, wenig. Aber, so stellte es Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn in seinem Vortrag heraus, nicht die Menge mache geistes- und kulturwissenschaftliche Wissensbestände aus Sicht der Datenanalyse interessant. Es sei vielmehr die Verdichtung des vielfach impliziten und über einen langen Zeitraum akkumulierten Wissens pro einzelnem Datensatz, die an die Datenanalyse neuartige noch ungelöste Fragen stelle. Bruhn verwendete hierfür die Begriffe von Long Data und Small Data, denen er Big Data und Short Data gegenüberstellte.

Die Frage, wie überhaupt der menschliche Geist und das menschliche Denken mit Mitteln der Informatik und Mathematik erfasst werden kann, untersuchte Joscha Bach (Harvard University) in der abendlichen Keynote. Fußend auf seinen Forschungen im Program for Evolutionary Dynamics entfaltete Bach seine Thesen zum menschlichen Denken, das durch die Fortschritte auf dem Feld der künstlichen Intelligenz (KI) neu und anders zu verstehen sei. Ein wesentlicher Punkt ist für Bach, dass KI sich fundamental vom menschlichen Geist unterscheidet und stets unterscheiden wird, weil das menschliche Denken nicht von seiner körperlichen Bedingtheit zu trennen ist und nicht vollständig berechenbar sein kann. Die Informatik und Mathematik liefern aber neue Zugangswege und neue Bilder zur Betrachtung genuin geisteswissenschaftlicher und philosophischer Fragen. Daher, so forderte Bach sein Plenum auf, müssen die Geisteswissenschaften die Möglichkeiten der Digitalisierung und die Ergebnisse der Forschungen zur KI nutzen, sonst werden sie aus der Zeit und ihren Diskursen fallen.
 

Eckdaten

Mitteilung vom 02.10.2017
  • – PD Dr. Peter Niedermüller
  • – Dr. Ralf Gehrke
  • – Christopher Tauchmann
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