Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Die Mainzer Zitadelle digital: Zwischen Denkmal- und Naturschutz

Auf dem internationalen Symposium ‚ÄěSites at the Intersection of Natural and Cultural Heritage‚Äú kurz SXNCH 2020 referierte Julia Brandt in der Gruppe ‚ÄěCultural¬†Landscapes‚Äú die Inhalte ihrer Masterarbeit.¬†Darin widmete sie sich einer exemplarischen Untersuchung der Mainzer Zitadelle, er√∂rtert Aspekte der Vereinbarkeit von Denkmal- und Naturschutz und beschreibt einen L√∂sungsweg f√ľr den in Mainz bis 2016 vergleichsweise stark ausgepr√§gten Konflikt zwischen den beiden Disziplinen.¬†
 
Unter Anwendung von terrestrischem Laserscanning konnte der Einfluss von Baumwurzeln auf die historischen Mauern visualisiert werden. Die Autorin konnte ausserdem anhand von Gesteinsproben der Zitadelle mit Flechten- und Algenbewuchs darlegen, dass das Mauerwerk durch den Bewuchs gesch√ľtzt und Witterungseinfl√ľsse auf handwerkliche Bearbeitungsspuren reduziert werden. Die nun seit 2016 laufenden Sanierungsma√ünahmen auf der Zitadelle werden daher in Absprache mit den zust√§ndigen Beh√∂rden des Denkmal- und Naturschutzes nach M√∂glichkeit naturvertr√§glich und zum Wohle des Denkmals durchgef√ľhrt.
 
Die Dissertation von Julia Brandt mit dem Titel: ‚ÄěDenkmal versus Natur? Strategien zum Erhalt der Zitadelle und Festung Mainz im Anwendungsfeld digitaler Dokumentation unter Ber√ľcksichtigung des Denkmal- und Naturschutzes.‚Äú verfolgt - aufbauend auf der Masterarbeit - drei Ziele:
  • Die heute noch erhaltene, kulturhistorische Bausubstanz der Festung Mainz wird mit zeitgem√§√üer Methodik dokumentiert und kartiert.
  • Kombiniert mit einer umfangreichen, europaweiten Archivrecherche nimmt Julia Brandt eine kunsthistorisch orientierte Aufarbeitung der Forschungsl√ľcke zwischen der zuletzt erschienenen wissenschaftlichen Arbeit von Neumann in den 1980er Jahren und dem aktuellen Baubestand vor.
  • Die Arbeit will einen Beitrag zur besseren Wahrnehmbarkeit der Festung der Stadt Mainz leisten.¬†

Die interdisziplin√§r arbeitende Kunsthistorikerin pr√ľft den Einsatz digitaler Werkzeuge und Methoden zur 3D-Erfassung bestehender historischer Bausubstanz. Anhand der mit einem terrestrischen Laserscanner erfassten Daten der Festungsanlage untersucht sie unter anderem, wie die digitale Punktwolke sowohl in der Wissenschaft als auch im konkreten Anwendungsfeld der Beh√∂rden und B√ľros als Bildmedium zur Dokumentation und Visualisierung dienen kann.

Bei der Verwendung der erzeugten Daten und vor allem der Gew√§hrleistung einer wissenschaftlichen Anwendbarkeit und Zitierbarkeit spielen der Datenlebenszyklus und die Analyse der theoretischen Prozesskette eine besondere Rolle: Beide definieren, welche M√∂glichkeiten die digitale Anwendung er√∂ffnen, welche Einsatzgebiete in der Denkmalpflege und Bauforschung dadurch entstehen und welches Wissen der Anwender braucht, um das digitale Objekt kritisch betrachten zu k√∂nnen. Der besondere Fokus liegt auf den M√∂glichkeiten der digitalen Bauwerksuntersuchung, etwa der Verformungsanalyse, Befund- und Schadenskartierung. Gleichzeitig kommt dem Schutz der seit 2019 als Denkmal anerkannten Anlage eine besondere Brisanz zu, indem die Aufarbeitung der digital erfassten Daten in einem Geoinformationssystem (GIS) erfolgt und hierdurch der Einsatz in der Denkmalpflege und Bauforschung unterst√ľtzt wird.

 
 
 

Eckdaten

Mitteilung vom 22.01.2021
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Titelbild:
  • Luftbild der Mainzer Zitadelle, Foto: Julia Brandt, CC-BY-NC-ND
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