Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Labeling System - Das Jahr 2015

Die Erschließung kulturhistorischer Materialien erfordert die Abstraktion historischer Realitäten in Schlagworte. Die Zusammenstellung dieser Begriffssammlungen ist Bestandteil vieler Datenbankprojekte und wird auch als kontrolliertes Vokabular bezeichnet. Doch auch die Bedeutung von Schlagworten ist nicht eindeutig und für die automatisierte Auswertung daher nur bedingt geeignet.

Ein gemeinsames Verständnis des Bedeutungsgehalts verschiedener Begriffe innerhalb geisteswissenschaftlicher Forschungsdisziplinen aber ist eine zentrale Herausforderung insbesondere im Bereich der »Digital Humanities«.

Das »Semantic Web« stellt bereits gebrauchsfähige Begriffskataloge für unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen als »Linked Open Data« (LOD) zur Verfügung. Es sind maschinenlesbare HTTP-Ressourcen, die eine interdisziplinäre Verknüpfung der Begriffe über das World Wide Web ermöglichen.

Im Rahmen eines internationalen DARIAH-DEWorkshops entstand eine Kooperation mit dem IEG. Konzeptionelle Ideen von Giovanni Colavizza und Michael Piotrowski mĂĽndeten in der Implementierung eines  Prototypen, dem Labeling System.. Das Labeling System nutzt Technologien und die Sprache des Semantic Web (RDF) zur Erstellung HTTP-addressierbarer Begriffsdefinitionen in standardisierten Ontologien.

Kern der Entwicklung ist ein webbasierter Editor zur Erzeugung kontrollierter Vokabulare, der keine Kenntnisse in RDF und semantischer Datenmodellierung voraussetzt. Die Implementierung beruht auf LOD-Technologien, LOD-Ontologien, sowie Open Source Frameworks. Das Labeling System nutzt RDF zur semantischen Beschreibung und Modellierung der Beziehungen zu verschiedenen HTTP Ressourcen, sowie zur internen Strukturierung von Entitäten (z.B. Nutzerdaten) und speichert diese in einem Triplestore ab. 

Das Labeling System bietet Nutzern die Möglichkeit, Vokabulare und multilinguale SKOS-Labels zu erstellen, die über HTTP-Adressen im Web adressierbar und durch einen SPARQL-Endpoint abfragbar sind. Labels werden bei Bedarf untereinander in Beziehung gesetzt und erhalten durch Verlinkungen zu externen Ressourcen eine nutzerspezifische Bedeutung.

Ideen einer möglichen Anwendung in der Archäologie präsentierten Thomas Engel und Florian Thiery auf der CAA 2015 in Siena in ihrem Vortag „The Labeling System: A bottom-up approach for enriched vocabularies in the humanities“ und konnten wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung gewinnen.

Mitarbeiter der »Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins« nutzen das Labeling System in enger Zusammenarbeit mit dem i3mainz am Beispiel von Namensvarianten und historischen Berufsbeszeichnungen. Erfahrungen dieser Use Cases wurden von Dr. Pascale Sutter auf den Open-Access-Tagen in Zürich einem internationalen Publikum vorgestellt.

Wissenschaftler nutzen das System bereits zum Aufbau eigener projektspezifischer Vokabulare und lassen die Labels in die eigene Forschung einfließen. Hierzu zählt insbesondere der prototypische Einsatz von Vokabularen in den vom i3mainz entwickelten »Spatial Viewer«.

Im Jahr 2016 ist die Erstellung einer intuitiven Benutzeroberfläche für geisteswissenschaftliche Nutzergruppen und die Kooperation mit internationalen Projektpartnern geplant. Das Labeling System als eine der zentralen Komponenten der im Aufbau befindlichen Forschungsdateninfrastruktur am Wissenschaftsstandort Mainz vorgesehen, das von mainzed entwickelt wird.

Eckdaten

Mitteilung vom 01.01.2017
Ansprechpartner:
  • – Institut fĂĽr Europäische Geschichte Mainz (IEG)
Titelbild:
  • Labeling System Turm
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