Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Labeling System - Das Jahr 2014

Die Erschließung kulturhistorischer Materialien erfordert die Abstraktion historischer Realitäten in Schlagworte. Die Zusammenstellung dieser Begriffssammlungen ist Bestandteil vieler Datenbankprojekte und wird auch als kontrolliertes Vokabular bezeichnet. Doch auch die Bedeutung von Schlagworten ist nicht eindeutig und für die automatisierte Auswertung daher bedingt geeignet.

Ein gemeinsames Verständnis des Bedeutungsgehalts verschiedener Begriffe innerhalb geisteswissenschaftlicher Forschungsdisziplinen ist eine zentrale Herausforderung insbesondere im Bereich der Digital Humanities. Forschungsfragen auf Grundlage desselben Datenbestands können so stark variieren, dass auch ein kontrolliertes Vokabular nicht ausreicht, die Bedeutungsvielfalt ausreichend zu abstrahieren.

Das Semantic Web stellt bereits gebrauchsfähige Begriffskataloge als Linked Open Data (LOD) zur Verfügung. Diese LOD werden in unterschiedlichen Wissenschaften als maschinenlesbare HTTP-Ressourcen zur Verfügung gestellt und ermöglichen eine interdisziplinäre Verknüpfung der Begriffe über das World Wide Web.

Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) arbeitet in einer Projektarbeitsgruppe im Kontext von DARIAH-DE an kontrollierten Vokabularen in der historischen Forschung in Bezug auf die funktionelle Klassifizierung historischer Ortstypen zur Bildung eines interdisziplinären Verständnisses von Begriffen (sog. Labeln).

Das Labeling System nutzt die Möglichkeiten des Semantic Web und Verlinkungen zu existierenden HTTP-Resourcen zur Begriffsdefinition mit Ziel der Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit in den Geisteswissenschaften.

Erste konzeptionelle Ideen stellte Giovanni Colavizza (IEG) in einem DARIAH-DE Workshop internationalen Experten verschiedener Disziplinen vor. Aus intensiven Diskussionen entstand eine Kooperation zwischen i3mainz und IEG zur Implementierung des Labeling System.

Florian Thiery entwickelt im Labeling System Projekt den Prototyp eines webbasierten Editors zur Erzeugung kontrollierter Vokabulare, der keine Kenntnisse in RDF und semantischer Datenmodellierung voraussetzt. Die Implementierung beruht auf Linked Data Technologien, eigenen und verbreiteten LOD Ontologien, sowie Open Source Frameworks,  nutzt RDF zur semantischen Beschreibung und Modellierung der Beziehungen zu verschiedenen HTTP Resourcen und speichert diese in einem Triplestore ab.

Das Labeling System bietet Nutzern die Möglichkeit Projekte, Vokabulare und multilinguale SKOS-Labels zu erstellen, die über HTTP-Adressen via REST im Web adressierbar und durch einen SPARQL Endpoint abfragbar sind. Labels werden bei Bedarf untereinander in Beziehung gesetzt und erhalten durch Verlinkungen zu externen Resourcen (z.B. Getty AAT) eine nutzerspezifische Bedeutung.

Mitarbeiter des i3mainz, des IEG und andere Wissenschaftler nutzen das System bereits zum Aufbau eigener projektspezifischer Vokabulare und lassen die Labels in die eigene Forschung einfließen. Erste Ergebnisse in der Anwendung werden auf der CAA 2015 in Siena von Thomas Engel und Florian Thiery präsentiert. Darüber hinaus stellte Michael Piotrowski das Projekt auf der DH-CASE II in Fort Collins einer Expertengruppe der Digital Humanities vor und konnte wertvolle Ideen für die Weiterentwicklung gewinnen.

Im Jahr 2015 ist die Erstellung einer intuitiven Benutzeroberfläche für geisteswissenschaftliche Nutzergruppen und die Kooperation mit internationalen Projektpartnern geplant.

Eckdaten

Mitteilung vom 01.01.2017
Ansprechpartner:
  • – Institut fĂĽr Europäische Geschichte Mainz (IEG)
Titelbild:
  • Labeling System Turm
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