Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

ChronOntology - Das Jahr 2015

Die erfolgreich etablierten Gazetteer-Systeme wie etwa Pleiades und Pelagios ermöglichen es, geisteswissenschaftliche Text- und Objektdaten mit eindeutig und persistent adressierbaren Ortsinformationen zu verbinden. Dabei bleibt allerdings die zeitliche Dimension der Orte in ihrer historischen Entwicklung weitestgehend unberücksichtigt. Ein großes Desiderat ist daher eine URI-basierte Methode zur dynamischen Adressierung der ganzen Bandbreite chronologischer Konzepte als Linked Open Data Ressourcen über Webservices, mit CIDOC CRM, Dublin Core und RDF-basierenden Repräsentationsmöglichkeiten.

Ziel von chronOntology ist die persistente Bereitstellung solcher offenen Webservices. Die API stellt semantisch modellierte Ressourcen zu standardisierten Zeitangaben mittels einer URI zur Verfügung, analog zu Ortsdaten in einem Gazetteer. Die publizierten Zeitangaben sollen es ermöglichen, dass digitale Wissensressourcen der Digital Humanities ihren Texten oder Objekten standardisierte Zeitzuordnungen zuweisen können.

Aufgabe des i3mainz im ChronOntology Projekt ist die Sicherstellung der adäquaten Repräsentation und Visualisierung von Ortsbezügen innerhalb der Zeitkonzepte. So umfasst etwa der Begriff „Frühe Bronzezeit“ sehr unterschiedliche archäologische Phänomene in Abhängigkeit zur Region. Diese Grenzen sind unscharf und ergeben sich erst aus der Auswertung des Datenmaterials.

Das Web stellt in Projekten wie PeriodO oder Geodia weitere Raum-Zeit-Gazetteers zur VerfĂĽgung. Im Gegensatz zu PeriodO, dessen Zeitkonzepte sich auf Literaturquellen.stĂĽtzen, basiert chronOntology auf realen Objektdaten wie die Arachne Datenbank des DAI.

Die Arbeit im ersten Projektjahr konzentriert sich auf Visualisierungsstrategien sogenannter „Space-Time-Volumes“ im geographischen Sinne. Diese beschreiben räumliche Ausbreitungen entlang einer Zeitachse. In chronOntology verstehen wir darunter abstrakte Zeitkonzepte , deren geographische Ausdehnung im Laufe der Zeit variiert.

Unser Projektpartner, das DAI, verfĂĽgt ĂĽber eine eigene Objektdatenbank, Arachne. Zeitbegriffe dieser Datenbank bilden die Basis der nach dem chronOntology Objektmodell modellierten chronOntology Zeitbegriffe, welche in Zusammenarbeit mit dem DAI erstellt werden.

Das Internet hält weiterhin eine Reihe von Daten bereit, welche archäologische Objektfunde räumlich verorten und zeitlich datieren. Diese Datensätze zeigen grundsätzliche Probleme auf, welche bei der Integration externer Daten in ein eigenes Datenmodell bestehen, wie z.B. eine einheitliche Bezeichnung von Zeitkonzepten. Die Evaluation entsprechender Strategien zur Integration und Visualisierung von 2D- und 3D-Ansätzen der „Time Geography“ basiert zur Zeit auf frei verfügbaren Datensätzen, die eine absolute Datierung mit archäologischen Konzepten und Ortsbezug verknüpfen.

Mit Hilfe des idai.gazetteer werden chronOntology Zeitbegriffe räumlich verortet. Florian Thiery evaluiert die Semantic Web gestützte Verknüpfung dieser Daten mit HTTP-adressierbaren dynamischen Gazetteers (z.B. GeoNames) und statischen Repositorien, die Zeitbegriffe und Koordinaten beinhalten (z.B. Pleiades). Visualisierungen der Resultate, Berechnung räumlicher Distanzen und eine numerische Beschreibung der sprachlichen Similarität zweier Zeitkonzepte (z.B. Levenshtein-Distanz), werden mit Hilfe von JavaScript Applikationen realisiert.

Im Jahr 2016 ist die Veröffentlichung des chronOntology Servers geplant, sowie die Erstellung von Widgets zur Visualisierung der Verknüpfungsresultate zu online verfügbaren Gazetteers und Objektdatenbanken.

Eckdaten

Mitteilung vom 01.01.2017
Ansprechpartner:
  • – Deutsches Archäologisches Institut (DAI)
Titelbild:
  • Beispielhafte Darstellung von Zeitkonzepten
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