Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

Beim Barte des Tutanchamun

MOTIVATION

Anfang 2015 wurde bekannt, dass im Herbst 2014 bei Reinigungsarbeiten im Ägyptischen Museum der Bart an der goldenen Totenmaske des Tutanchamun abgefallen und anschließend unsachgemäß wieder angebracht worden war.

Christian Eckmann, Restaurator am RGZM, begutachtete auf Bitten des ägyptischen Ministers für Altertümer, Mamdouh El-Damati im Frühjahr 2015 die Totenmaske und erstellte eine erste Schadensanalyse. In der Folge wurde ein Kooperationsprojekt mit dem RGZM, dem Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Kairo sowie dem Ägyptischen Museum Kairo vereinbart, dessen Ziel einerseits die fachgemäße Wiederanbringung des Bartes war, anderseits aber auch eine umfassende technologische Analyse der Maske selbst beinhaltete.

AKTIVITĂ„TEN

In Vorbereitung der geplanten Restaurierungs- und Untersuchungsarbeiten in Kairo nahm Guido Heinz im Rahmen der Kooperation zwischen dem RGZM und dem i3mainz im Mai 2015 erste Dokumentations- und Vermessungsarbeiten an der Maske vor. Nach den Restaurierungsarbeiten reiste Guido Heinz im Dezember 2015 erneut nach Kairo, um den aktuellen Zustand mit einem industriellen Nahbereichsscanner sowie bildgestützt aufzunehmen und so die Änderungen gegenüber dem Zustand vor der Restaurierung zu dokumentiert. Die Aufnahmen fanden diesmal in der Werkstatt statt, so dass die Maske von allen Seiten zugänglich war. Im Projektjahr 2016 wurden die Datensätze aus den beiden Messkampagnen für Analysen aufbereitet. Der Vergleich der beiden Modelle dokumentiert die jeweiligen Positionen des Bartes und die Unterschiede vor bzw. nach der Restaurierung. Die Daten dienen sowohl als hochauflösende Dokumentation der Restaurierungsarbeiten als auch zur digitalen Sicherung der Totenmaske.

ERGEBNISSE

Die Herausforderung in diesem Projekt war die Erstellung eines Konzeptes für die 3D-Dokumentation. Für die Vermessung der Maske kamen taktile Verfahren nicht infrage, um Beschädigungen oder Kratzer sicher auszuschließen. Sämtliche Arbeiten zur dreidimensionalen Dokumentation wurden daher mit berührungslosen Verfahren durchgeführt. Gewählt wurden optische Verfahren, der Einsatz eines industriellen 3D-Scanners in Kombination mit photogrammetrischen Techniken zur Bestimmung eines externen Referenzpunkterahmens und für die Aufnahme von Texturbildern.

Problematisch ist bei der Verwendung optischer Verfahren das Reflexionsverhalten des glatten und glänzenden Goldes, das nicht optimal dafür geeignet ist. Die Verwendung von Mattierungsverfahren auf Basis von Wachsen oder Airbrush-Systemen kommt bei archäologischen Objekt nicht in Frage. Verschiedene Tests mit mehreren vergoldeten galvanoplastischen Kopien aus den Werkstätten des RGZM zeigten die Probleme bei der Digitalisierung. Bei entsprechendem Messaufbau und der Wahl passender Einstellungen konnte für die hier gestellte Aufgabe von einer ausreichenden absoluten Genauigkeit der Vermessung ausgegangen werden. Im gemessenen digitalen Modell sind Lücken und nicht optimal zu erfassende Bereiche, die aber für die vorliegenden Anforderungen akzeptabel waren.

 

Das Projekt wurde zu gleichen Teilen mit Mitteln des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

Die durchgeführten Arbeiten aller Projektbeteiligten und die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur Herstellungstechnik, zur Analyse der verwendeten Materialen sowie der Restaurierung der Maske werden in einer gemeinschaftlichen Publikation im Verlag des RGZM veröffentlicht.

Eckdaten

Mitteilung vom 23.02.2016
Ansprechpartner:
Titelbild:
  • Vermessung der Totenmaske mit dem 3D-Scanner (Foto: RGZM, K. Broschat)
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