Institut für Raumbezogene Informations- und Messtechnik
Hochschule Mainz - University of Applied Sciences

„Algorithmen sind keine Killer von Kulturtechniken“

Wie verändern sich die Geistes- und Kulturwissenschaften im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung? Diesem Thema widmeten sich am 29. Januar international vernetzte Expertinnen und Experten und ein äußerst interessiertes und diskussionsfreudiges Publikum in dem mit über 100 Gästen voll besetzten Museum für Antike Schiffahrt. Die Fishbowl-Diskussion anlässlich der Eröffnung von mainzed, dem Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften wurde in Zusammenarbeit mit der Mainzer Arbeitsstelle Kleine Fächer an der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) organisiert. Titel der Veranstaltung: „digitalität und diversität – die Geisteswissenschaften im Jahr 2026“.

Angeregt durch zahlreiche Fragen und Meinungen aus dem Publikum näherten sich Prof. Dr. Walter Bisang (JGU), Dr. Mercedes Bunz (University of Westminster), Prof. Dr. Irene Dingel (Institut für Europäische Geschichte), Prof. Dr. Gudrun Gersmann (Universität zu Köln), Prof. Dr. Marie-Hélène Lay (Universität Poitiers) und Dr. Uwe Schmidt (JGU) dem Thema unter verschiedenen Aspekten. So sprach Walter Bisang das Verhältnis zwischen Fachkenntnissen und technischer Affinität an und fragte, wie hilfreich westliche Technologien bei der Erforschung nichtwestlicher Kulturen sein können? Eine mögliche Vernaturwissenschaftlichung der Geisteswissenschaften thematisierte Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der JGU. Und Irene Dingel stellte heraus, dass die Digitalisierung der Fächer sicherlich zu mehr Interdisziplinarität führen werde. Kontrovers wurde über den freien Zugang zu wissenschaftlichen Daten, Thema Open Access, diskutiert. Datenmengen, zu deren Bearbeitung früher Jahre benötigt wurden, können heute in kurzer Zeit erfasst werden, wenn sie online offen verfügbar sind. Diese bereitzustellen ist jedoch teuer und erfordert eine klare Positionierung zu Fragen nach Nutzungsrechten und Vergütung.

Im Anschluss an die über zweistündige Diskussion setzte sich Mercedes Bunz in ihrer Keynote mit dem oftmals technologiekritischen Diskurs in Deutschland auseinander. So erläuterte sie, dass dieser in Wirklichkeit gesellschaftliche Probleme adressiert – wenn etwa die übermäßige Verfügbarkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch das Smartphone beklagt wird. Stattdessen ruft sie zu einem bewussten und konstruktiven Umgang mit vorhandenen und zur aktiven Gestaltung neuer Technologien auf, die auch und gerade durch die Geistes- und Kulturwissenschaften zu leisten sei: „Algorithmen sind keine Killer von Kulturtechniken. Sie erzielen in jeder Kultur andere Resultate.“

Durch die Kooperation des Römisch-Germanischen Zentralmuseums mit Freifunk Mainz war der Zugang zu freiem WLAN während der gesamten Veranstaltung sichergestellt, sodass der Verlauf der Diskussion auf Twitter unter #mainzedZWEI16 in Auszügen nachvollzogen werden kann.

„Wir haben heute viele Anregungen für unsere zukünftige Arbeit in mainzed erhalten“, schloss Prof. Dr. Kai-Christian Bruhn, Direktor des Zentrums, der die Veranstaltung moderierte. „Dies wird auch in unseren Masterstudiengang „Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften“ einfließen, der vermutlich zum Wintersemester 2016/17 starten wird.“

Eckdaten

Mitteilung vom 02.02.2016
  • – Dr. Katharina Bahlmann, Mainzer Arbeitsstelle Kleine Fächer
Titelbild:
  • Mercedes Bunz, Gudrun Gersmann, Irene Dingel, Kai-Christian Bruhn (v.l.n.r.)
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